PGS Hanau - Schulzeitung

Ich bin nervös, so wie es momentan jeder hier ist. Die Straßen sind leer... Scharfschützen bestimmen das Straßenbild... Jeden Moment kann die nächste Bombe hochgehen. Als ich gestern mit meinem Mann im Taxi unterwegs war, explodierte etwa fünf Meter neben uns eine Bombe. Ich habe noch Ohrensausen davon. Glücklicherweise war zwischen der Bombe und uns eine kleine Mauer, so wurden wir nicht direkt getroffen und sind noch am Leben. Gott sei Dank waren unsere Kinder nicht bei uns und mussten diesen entsetzlichen Augenblick nicht miterleben. Die ganze Situation ist äußerst schwierig für die Kinder und beeinflusst sie sichtbar. In einigen Teilen des Landes sind die Schulen bereits geschlossen, aber bei uns in Damaskus sind sie noch geöffnet. Letzte Woche kam die Mutter eines Schülers auf mich zu und weinte. Ihr Sohn gehörte immer zu den wohlerzogenen, netten Kindern, doch seit einigenWochen reagiert er immer nervöser und zunehmend aggressiv auf andere Kinder. Wir alle versuchen wirklich unser Bestes, um gute Eltern zu sein. Dennoch verändern sich momentan unsere Kinder. Der Krieg verändert sie. Als ich neulich morgens meine Schüler zum Unterricht in die Schule holen wollte, konnte ein Mädchen nicht aufhören zu weinen. Sie wollte auch nicht zu mir kommen. Sie wollte sich nicht von ihrer Mutter trennen - aus Angst, sie danach vielleicht nie wieder zu sehen. Ich versuchte dieses Mädchen zu trösten und erzählte ihr von den Engeln, die uns beschützen. Zusammen lasen wir dann Psalm 91. Der Psalm hat sie tatsächlich getröstet. Von diesem Tag an las sie ihn jeden Tag. Seitdem weint sie nicht mehr, wenn sie in die Schule kommt. Mit Gott zu leben ist wirklich die einzige Möglichkeit, diesen Krieg zu überstehen. Ich habe auch Angst, meine Töchter zur Schule zu bringen. Wenn sie weg sind, fasten und beten mein Mann und ich, bis sie wieder sicher zuhause sind. Ich hoffe und bete, dass meine beiden Töchter den Krieg unbeschadet überleben. Die ständige Ungewissheit bricht mir fast das Herz. Denn die Gefahr ist allgegenwärtig. Ich versuche, sie für den Moment vorzubereiten, von dem ich hoffe, dass er nie eintreten wird: Ich lehre sie das eine,was sie tun sollen,wenn es so weit kommen sollte - nämlich ihren Mördern ins Gesicht zu sagen: Jesus liebt dich. Leben und Glauben im Syrienkonflikt... Bericht einer christlichen Lehrerin1 Die aus Sicherheitsgründen namentlich nicht genannte Frau arbeitet als Lehrerin an einer Schule in Damaskus. Sie ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Ihren Alltag beschreibt sie folgendermaßen: PGS Hanau 10 weiter auf Seite 11

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