PGS Hanau - Schulzeitung

Lothar Schickling: „Ich bin ein Arbeitstier“ - ein Portrait Für ein Denkmal ist es noch zu früh, aber es erscheint an der Zeit, unserem Hausmeister, der guten Seele unserer Paul-Gerhardt-Schulen in Hanau, an dieser Stelle einige Zeilen zu widmen. Wer ist eigentlich dieser wuselige Mann mit dem Schnurrbart, den wachen Augen und der meist in die Haare hochgeschobenen Brille, der, einem Don Quichotte ähnlich, sich unermüdlich für die PGS abrackert; der seinen Kampf mit alten Türschlössern, verkanteten Rollos und jugendlichen Rowdis, die nachts vor der Schule „die Sau rauslassen“ stets aufs Neue aufnimmt? Unser „Loddar“ ist ein Beißer - keiner, der schnell die Brocken hinschmeißt. Einer, den das Leben gestählt hat, der durch so manche Tiefe hindurch musste. Ich kenne sowohl seinen kämpferischen Gesichtsausdruck, wenn er, irgendwo in einem der PGS-Flure mit dem Akkuschrauber in der Hand, an mir vorbeisaust, um irgendein dringendes Problem zu lösen; ich kenne auch jenes triumphierende Lächeln wenn er, nach vollbrachter Schlacht, eine Sache wieder ans Laufen bringen konnte. Cartfahren mit Nick Heidfeld Der gelernte Buchbinder und passionierte Motorsportfan (Jahrgang 1959), der sich vor Jahren schon mit dem jugendlichen Nick Heidfeld bei einer Cartbahn-Meisterschaft ein Duell lieferte („er wurde allerdings 1. und ich 18.“) entstammt einer siebenköpfigen Hanauer Arbeiterfamilie. Nach dem Hauptschulabschluss und seiner Lehre machte er gleich alle Führerscheine auf einmal und wechselte ins Fernfahrergeschäft. Fast 20 Jahre lang war er mit einem 40-Tonner für einen Automobilzulieferer in ganz Europa unterwegs. „Ich kenne jede Autofabrik in Europa von Opel bis Ferrari.“ Irgendwann zwischendrin hatte er auch geheiratet und der gemeinsame Sohn Oliver war geboren worden; da wollte Lothar Schickling seßhafter werden und heuerte deshalb als Lagerist bei der Mineralölgesellschaft FINA in Offenbach an. Dort brachte er es, aufgrund seines hohen Engagements und seiner Kompetenz relativ schnell bis zum verantwortlichen Lagerleiter. In dieser Funktion bekam er so manche Einladung zu diversen Renn-Events. „Ich war an vielen Wochenenden auf irgendwelchen Rennstrecken.“ Bei einer Formel1-Veranstaltung hat er dann auch Niki Lauda getroffen, der ihn beeindruckte. Obwohl Lothar Schickling - wie immer - mit Volldampf arbeitete, konnte er die Firmenpleite in Offenbach nicht abwenden. - Nun sollte es endlich etwas ruhiger werden und er übernahm mit seiner Frau eine Hanauer Gaststätte. Dass aber Gastronomie kein Zuckerschlecken ist, musste die Familie Schickling leider auch erleben. Gearbeitet wurde immer mehr, am Ende beinah rund um die Uhr; daran zerbrach schließlich seine Ehe, was für Lothar Schickling ein harter Schicksalsschlag war, der ihn ziemlich aus der Bahn warf. 2009 tauchte der Tausendsassa erstmalig im Dunstkreis der PGS auf. An der Corniceliusstraße sollte er den damaligen Hausmeister, Jörg Vormwald, unterstützen. „Ich kam als 1-Euro-Jobber vom Arbeitsamt.“ Lange Zeit habe ich geglaubt, Gott hat mich vergessen... Die Verantwortlichen erkannten schnell seine Qualitäten und mit dem Umzug ins neue Gebäude bekam Lothar Schickling seinen ersten Vollzeitjob an einer Schule. An einer christlichen Schule dazu... „Unser“ Lothar und der Glaube an Gott - das ist ein spezielles Kapitel. Er hat eben sein ganz eigenes Verhältnis zu Religion und Glaube. „Ich mag Kirchengebäude und schaue sie mir gerne an. Ich bete auch, aber öffentlich, wie das hier praktiziert wird, könnte ich das nie. Lange Zeit habe ich gedacht, der liebe Gott hat mich wohl vergessen, aber die Arbeit hier an der Schule hat mich etwas anderes gelehrt. Als ich krankgeschrieben war, haben mich die vielen Grüße aufgemuntert; besonders die Grußkarten von den Kindern. Jede einzelne Karte von den Kindern habe ich aufbewahrt. Sie bedeuten mir viel.“ Lothar Schickling macht die Arbeit an der PGS Spaß. „Manchmal“, so sagt er, „ist es allerdings auch sehr viel“. Er will in Zukunft etwas kürzer treten, mehr auf sich und seine Gesundheit achten, träumt davon, sich ein Wohnmobil zu kaufen und in den großen Ferien mit seiner Schäferhündin Dana („sie ist meine Weggefährtin“) durch Südeuropa zu touren. Zum Abschluss unseres Gesprächs sagt er: „So, dann werde ich jetzt mal meine 200 Stühle stellen gehen.“ Sagt´s, lächelt, drückt mir die Hand und macht sich auf den Weg. Weiterhin alles Gute, lieber Lothar! Joost Reinke, Gymnasiallehrer PGS Hanau 09

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