046 Allgemein „Cheeeeese!“ ad absurdum geführt Was ist aus unserem Lächeln geworden? Ein Bild, an das wir uns nicht gewöhnen wollten, aber inzwischen gewöhnen mussten. Dem freundlichen „Cheeeeese!“, dass wir vom Fotografen hörten, haftet auf einmal etwas Absurdes an, denn: Man sieht unser Lächeln nicht, wenn wir eine Maske tragen. Sehr deutlich spüren wir jetzt, wie sehr wir generell über unsere Mimik miteinander kommunizieren und wie stark wir im Moment eingeschränkt sind in unserem Wunsch, gesprochenen Worten durch einen bestimmten Gesichtsausdruck mehr Bedeutung zu verleihen oder nonverbal Zeichen zu setzen. Was ist aus unserem Lächeln geworden? Hin und wieder kommt es vor, dass wir uns wundern, weshalb unser Gegenüber nicht auf unser Lächeln reagiert, bis es uns wie Schuppen von den Augen fällt: Er/Sie sieht nicht, dass ich lächle! Muss ich so weit gehen zu sagen: Er/Sie sieht mich nicht? Anstatt damit zu hadern, dass man mein Lächeln nicht sieht, versuche ich, den Humor zu bemühen, denn es hat durchaus etwas Komisches, wenn ich mich hinter meiner Maske abmühe, aber nicht die erwartete Reaktion erfolgt – kann freilich nur für harmlose Situationen gelten. Ein Lächeln für die Füße also? Nicht ganz, denn auch für uns selbst soll es ja gut sein zu lächeln, selbst ohne Anlass. Immerhin wirkt es sich positiv auf unsere Stimmung aus. Und dies kann ich ganz prima hinter meiner Maske: Lächeln ohne Grund, nur für mich allein, einfach so und ohne dass es seltsam aussieht. Übrigens: Lachfalten um die Augen, die sieht man schon, wenn sie nur stark genug ausgeprägt sind. Also ist es gut, wenn man welche hat, denn es zeigt: In jedem Fall habe ich früher viel gelacht. Und bei anderen sehe ich daran, ob ihr Lachen echt ist – wenn ich genau hinschaue. Sollte Corona vielleicht dazu führen, dass wir genauer auf unsere Mitmenschen achten, genauer hinschauen und versuchen, in ihren Augen zu lesen? Das wäre dann durchaus ein Gewinn! Ohne (gesprochene) Worte? Welche Auswirkungen hat die Pandemie eigentlich auf den Unterricht? Es wäre gelogen zu sagen, im Klassenzimmer selbst merke man bis auf das Tragen der Masken nichts. Die Augen der Schüler*innen sehen trauriger aus und das Genuschel hinter der Maske führt manchmal dazu, dass wir öfter nachfragen müssen, was eigentlich gesagt wurde. Ständig reißen wir die Fenster auf und vor uns sitzen Schüler*innen, die mit ihren Decken um die Schultern ein wenig aussehen wie Beduinen, die um ein Lagerfeuer herum Platz genommen haben. Wir sehen Schüler*innen, die sich in Klassenzimmern zusammenrotten, wie sie es immer gerne tun, obwohl eigentlich Abstand angesagt ist. Das Gefühl, dass sich im Rudel weit hinten sitzend alles besser ertragen lässt, ist einfach stärker. E-n-t-z-e-r-r-u-n-g ist dann erst mal angesagt – mindestens 1,5m Abstand bitte, soweit eben im Klassenzimmer möglich.
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