PGS Hanau - Schulzeitung

036 Vorwort Und täglich grüßt das Murmeltier Glosse So eine Schule besteht nicht nur aus Menschen, Räumen und Mobiliar. Auch der ein oder andere Vertreter der Tierwelt tummelt sich rund umdie Argonnerwiesen. Damit sind nicht dieWühlmäuse oder Kaninchen gemeint, die das Gelände schon mal in einen natürlichen Golfplatz verwandeln. Nein, rund um die PGS hat sich ein stiller Beobachter eingenistet, selten und scheu, aber messerscharf in seiner Beobachtungsgabe: das Murmeltier. Bisher schweigender Zuschauer, meldet es sich nun mit seinem Bericht zur Lage der allmorgendlichen Rundfahrt zur Schule zu Wort: Gegen 7:39 Uhr beobachtet es am frühen Morgen die ersten motorisierten und nicht motorisierten Fahrzeuge, die sich „In den Tannen“ bewegen. Um 7:40 Uhr bildet sich schon der erste Stau: angefangen von der Linksabbiegerspur der Ampel, die allem Stöhnen der Autofahrer zum Trotz beharrlich wieder und wieder auf Rot schaltet. Von dort bewegt sich der Strom der Fahrzeuge – einem Lindwurm gleich – in die Argonnerwiesen hinein und dreht sich um einen Parkplatz vor dem Schulgebäude. Das Murmeltier wundert sich und fragt sich, ob es sein muss, dass man sein Kind täglich bis ins Klassenzimmer fährt, obwohl es zahlreiche Möglichkeiten gibt, es vorher abzusetzen. Womöglich käme es sogar rechtzeitig und pünktlich nach einem entspannten Fußweg in frischer Luft in der Klasse an? Nein, man sitzt lieber mit Chauffeur im Auto und legt die Strecke in der doppelten oder dreifachen Zeit gemeinsam zurück – während zum Beispiel das Pubertier noch im Halbschlaf recht wortkarg auf dem Beifahrersitz oder der Rückbank sitzt. Folgende Alternativvarianten beobachtet das Murmeltier bei den genervt mitten im Stau Stehenden: Variante A: Man lässt sein Kind doch schon „In den Tannen“ aus dem Auto steigen, damit es den weiten Weg zur Schule zu Fuß bewältigt (eher selten). Variante B: Man hängt in der Schleife fest, merkt, man hat nicht mehr viel Zeit, lässt den Nachwuchs schon in die Schule laufen, beendet die Rundfahrt allein und ärgert sich darüber, schon wieder im Stau zu stehen. Variante C: Man biegt in eine der Spielstraßen im Wohngebiet oder in die Einfahrt zum Lehrerparkplatz und erwartet, dass man nach Absetzen des Fahrgastes von den im Stau stehenden wieder in die Schlange integriert wird – wobei die Regel „Rechts vor Links” bei Spielstraßen ausgehebelt ist. Letztendlich verursacht man weitere Verzögerungen für die, die brav in der Schlange verblieben sind. Variante D: Zur allgemeinen Routine avanciert auch, dass die Autos, die es bereits geschafft haben, ihr Kind gegenüberliegend am Sportplatz „In den Tannen“ rauszulassen, nicht mehr die Linksbiegung bis zum Parkplatz nehmen, sondern in der Einfahrt stehen bleiben und dadurch den – bis dahin noch fließenden – Verkehr blockieren, der geradeaus fahren möchte, oder andere Fahrer am Ein- und Ausfahren hindern und Vollbremsungen verursachen. Variante E: Man bleibt standhaft und stur, um nach einer gefühlten Ewigkeit einen Parkplatz an der Schule zu ergattern oder direkt vor der Schule den Sprössling schnell rauszulassen. Unser Murmeltier vermutet aber noch andere Beweggründe der morgendlichen Parkplatzrunde. Denn – wo bietet sich schon so einfach und kostengünstig ein großes Publikum? So nehmen viele KfzBesitzer die Einbiegung in die Argonnerwiesen und den damit verbundenen Verkehrsstau als Laufsteg, um ihre hochwertigen Fahrzeuge einem größeren Publikum vorführen zu können. Befinden wir uns imGenfer Autosalon? Oder wird die Internationale Automobilausstellung doch von Frankfurt nach Wolfgang verlegt? Übrigens ein durchaus überlegenswerter Vorschlag für die Automobilindustrie – denn wo findet man schon so viele jugendliche Nachwuchskäufer geballt an einem Ort? Perfekt, um Kaufanreize zu setzen! Während dieses Spektakels beobachtet das Murmeltier oben „In den Tannen“ folgendes Szenario: Der Autofahrer, der aus der Schlange endlich wieder an der Einfahrt zu den Argonnerwiesen auftaucht, kommt nicht mehr hinaus, weil kein Kind mehr die Straße überquert und sich die Fußgängerampel damit auch nicht mehr auf Rot schaltet. Die privaten und die städtischen Busse kämpfen sich allmorgendlich durch diesen Schlamassel oder entscheiden sich, ihre Fahrgäste bereits an der Bushaltestelle „In den Tannen“ aussteigen zu lassen, damit sie die folgenden Haltepunkte noch vor den Abendstunden erreichen. Übrigens, am Steuer sitzend missachten einige alle gelernten Regeln der StVO, zum Beispiel das Überholen der Busse anstatt zu warten oder das Abbiegen bei „rot“, obwohl ein weißer, durchgezogener Strich vorgibt, dass man anhalten und warten muss. Der Vorteil der Rundfahrt für die Schüler: Man erreicht den Unterricht mit einigen Minuten Verspätung. Der dadurch entstehende Vorteil für die Erwachsenen: Man winkt Bekannten beim Vorbeifahren im Schneckentempo oder man kann mit anderen Erziehungsberechtigten auf dem Parkplatz die letzte Klassenarbeit besprechen oder abstimmen, wo man nach demAbsetzen des Nachwuchses eine Tasse Kaffee trinken geht. Das Murmeltier fragt sich, ob es eigentlich noch zumutbar ist, dass Kinder alleine die letzten Meter bis zur Schule laufen? Jetzt ruht es sich aus und freut sich auf morgen früh ... 7:39 Uhr.

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