PGS Hanau - Schulzeitung

Am 22. November 2012, direkt nach dem Buß- und Bettag, staunten viele Schüler nicht schlecht, als während der Mittagspause plötzlich - wie aus dem Nichts - zwei römische Legionäre im Eingangsbereich unserer Schule auftauchten. Die beiden Herren, von Berufs wegen in der IT-Branche tätig, waren mit pilum und gladius (Wurflanze und Schwert) ausgerüstet und gehörten zur 4. Vindeliker-Kohorte, die im 2. Jahrhundert n. Chr. als germanische Hilfstruppe im Kastell von Großkrotzenburg (man glaubt es kaum...) stationiert war. Ihr nicht billiges und zeitaufwändiges Hobby - allein ein paar h a ndg e n ä h t e lederne Römerstiefel mit genagelter Sohle kosten rund 400 Euro - leben sie mit großer Begeisterung. Jedes Detail ihrer Ausrüstung soll so echt wie möglich aussehen. Deswegen wird auch viel Mühe in die Rekonstruktion originalgetreuer römischer Utensilien gesteckt. So nebenbei sind die Hobby-Historiker mit der Zeit richtige Römer-Fachleute geworden - ihr Detailwissen war größer als das des einfachen Geschichtslehrers. Mit ihrem Engagement im Heimat- und Geschichtsverein Großkrotzenburg wollen sie die römische Zeit rund um Hanau wieder aufleben lassen - schließlich wand sich hier vor rund 1800 Jahren der Limes durchs hessische Waldland; jener 550 Km lange Holz- und Steinwall, der das Imperium Romanumvon den Barbaren abgrenzte. Als wir um kurz vor 14 Uhr mit beiden 7. Klassen - ergänzt durch den Französischkurs von Frau Kilgenstein-Faht - also mit insgesamt über 60 Schülerinnen und Schülern starteten, war es ungewöhnlich still. Einige Jungen in der ersten Reihe saßen mit vor Aufregung geröteten Wangen da und schienen jeden Wortfetzen der beiden Gäste aufzusaugen. Mit großer Hingabe wurde den Ausführungen über den Limes und über die Romanisierung unserer Gegend gelauscht. Mit einem Mal schien Geschichte so greifbar nah. Wir alle konnten originale Sesterzen und sogar einen Aureus (Goldmünze) in Händen halten. Besonders interessant wurde es dann bei der Vorstellung der Legionärsausrüstung. Zum großen Bedauern einzelner Jungs durfte das Schwert leider nicht herumgereicht werden. Aufgrund unendlich vieler Rückfragen verflog die Zeit wie im Flug, so dass nicht mehr alle den absoluten Höhepunkt der Veranstaltung miterleben konnten: die feierliche Wandlung von zwei Jungen aus der 7a zu römischen Junglegionären. Unter dem Gekicher ihrer Klassenkameraden posierten sie stolz mit Helm, Kettenhemd und umgehängtem Schwert vor der Kamera. Am Ende fanden sich viele bereitwillige Helfer, die z.B. die Schilde, Trinkgefäße oder den Grabestock nach unten tragen durften; die Wurflanzen wurden allerdings nur dem Geschichtslehrer ausgehändigt. Wie auch immer: Diese Doppelstunde im Fach Geschichte werden sicherlich alle Beteiligten nicht so schnell vergessen. Joost Reinke, Gymnasiallehrer Gymnasium 23 Römische Legionäre besuchen PGS

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