„Der Besuch hat mir verdeutlicht, wie wichtig es ist, jüdisches Leben in Deutschland zu schützen.“ 42 Weiterführende Schulen Die Oberstufe der Paul-Gerhard-Schule besucht die Synagoge in Hanau am Reformationstag. „Jedes Mal, wenn ich die Synagoge mit dem Auto verlassen möchte, gehe ich zuvor über den Hof zur Straße. Ich schau nach links und rechts. Sehe ich eine größere Gruppe von Menschen, gehe ich wieder zurück. Ja, ich habe Angst und sie wird nicht weniger“, sagt Oliver Dainow, Geschäftsführer der jüdischen Gemeinde in Hanau. Hanau, Synagoge der jüdischen Gemeinde, Reformationstag 31. Oktober 2024 Sie sitzen dicht gedrängt. Die gesamte Oberstufe mit ihren Lehrerinnen und Lehrern sind gekommen. Vor ihnen, neben Oliver Dainow, steht ein Klavier, dahinter an der Wand ein halblanger schwarzer Vorhang. Er verdeckt etwas die berühmten Torarollen. Daneben, für alle sichtbar, eine Lichttafel. In weiß blauen Farben erstrahlt ein siebenarmiger Leuchter, das ewige Licht. An einer Wand eingebaut ist eine kleine Bibliothek. Am Eingang liegt die Mesusa, eine Kapsel mit einer Pergamentrolle. Auf ihr stehen die ersten Verse des jüdischen Glaubensbekenntnisses. Es sei fast schon eine Tradition der Schule, so Oberstufenleiter Stefan Kaehler, am Reformationstag ein Gotteshaus mit Schülerinnen und Schülern zu besuchen. Was die meisten Schüler gleich am Anfang wundert: Wie beim Sicherheits-Check am Flughafen, werden sie am Eingang gebeten, ihre Taschen zu öffnen. Das hat seinen Grund. Sicherheit spielt heute für die Synagogen eine große Rolle. Aus Angst vor Übergriffen stehen in Deutschland fast vor allen Synagogen Beamte der Polizei. Darüber spricht auch Oliver Dainow, Geschäftsführer der jüdischen Gemeinde, in seinem Vortrag. Auch in Hanau, so merkt er an, in einer eigentlich bunten Stadt, fühlten sich viele Menschen jüdischen Glaubens bedroht. Er spricht eine Entwicklung an, die immer auch bei unse in Deutschlan d immer bedrohlicher zu werden scheint. In der „Tagesschau-Ausgabe“ vom 4. Oktober letzten Jahres legt das Innenministerium Zahlen vor. Die antisemitisch motivierten Straftaten haben sich demnach zum Vorjahreszeitraum auf 3.200 verdoppelt. Die Straftaten stünden teilweise in Zusammenhang mit dem aktuellen Krieg im Nahen Osten, heißt es weiter. Und jüdische Menschen könnten ihrem gewohnten Alltag nicht mehr nachgehen, sie würden beleidigt, beschimpft und ausgegrenzt. Seit dem Überfall der Hamas am 7. Oktober vergangenen Jahres, so meint Oliver Dainow heute morgen vor den Schülerinnen und Schülern, habe sich die Lage sehr verschlimmert. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, sieht diese Entwicklung auch mit sehr großer Sorge. Einige jüdische Menschen, so meint er, in seiner Erklärung zum 7. Oktober 2024, trauten aus Angst kaum oder gar nicht mehr in die Öffentlichkeit gehen. Gottesdienste würden abgesagt werden. Für Schuster geht die Gewalt eindeutig von rechts aus, von rechtsextremen Anhängern. Das Thema wühlt auch die Schülerinnen und Schüler heute morgen auf. Sie wollen mehr wissen und fragen nach. Oliver Dainow geht darauf ein, spricht auch von seiner Angst und, so fügt er leise an, es gehe anderen auch so. Der 7. Oktober habe die Welt verändert, sagt Innenministerin Nancy Faeser in ihrer Rede von ein paar Tagen zum Jahrestag des Überfalls der Hamas, und sie fragt sich, ob der Antisemitismus wieder aufflamme? Das fragen sich die Schülerinnen und Schüler heute morgen auch. Ich habe sie gebeten, ihre Eindrücke aufzuschreiben. Oliver Dainow hat den Austausch heute morgen sehr begrüßt, sagt er mir am Ende. Er hoffe auf eine Fortsetzung und komme gerne auch an unsere Schule. Das wünschen sich bestimmt auch die Schülerinnen und Schüler, die ihn heute morgen kennenlernen durften. Hans Rubinich, Lehrer „Der Besuch hat mir verdeutlicht, wie wichtig es ist, jüdisches Leben in Deutschland zu schützen.“ „Meine Eindrücke von der Synagoge waren sehr positiv. Auffällig war, dass vor dem Eingang ein Sicherheitsteam stand, welches die Gäste kurz vor dem Einlassen kontrollierte.“ „Ich war sehr überrascht, dass die Synagogen so gefährdet sind und so viel Hass von außen bekommen.“ „Es wurde einem noch mal bewusst, wie sehr der Antisemitismus in unserer Gesellschaft verankert ist.“ „Mir persönlich hat es sehr gut gefallen. Ich fand die Dinge über das Judentum und die Synagoge sehr interessant, aber vor allem auch die Gespräche über aktuelle Themen und das Leben als Jude in Deutschland und in Hanau und Frankfurt.“ © AmethystStudio – stock.adobe.com © Chelpanoff – stock.adobe.com
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