PGS Hanau - Schulzeitung

2 Fließtext Vorwort „Du bist ein Gott, der mich sieht.“(Gen. 16, 13) Schon zum zweiten Mal begleitet uns ein Schuljahresmotto durch ein ganzes Schuljahr. Es ist angelehnt an die Jahreslosung. Möglicherweise haben Sie den Vers schon imEingangsbereich der Schule wahrgenommen. Auf demPlakat dort und hier auf dieser Seite steht dasWort „Fokus“! Eine Lupe hebt grafisch die zwei Buchstaben Ok imWort Fokus hervor. Nach Zeiten des Homeschoolings merke ich, wie wichtig es ist, dass manseinGegenüberwirklichsehenkannunddiesesnicht hinter einer Maske oder einer Kamera versteckt ist. Face to face! Es macht einen großenUnterschied, ob sichmeinGesprächspartnermitmir imgleichenRaumbefindet oder aufDistanz hinterHürden. Kommunikationswissenschaftler betonen, dass 60% bis 90% der Kommunikation zwischen zweiMenschennonverbal verläuft, alsoMimik, Gestikund Stimmmodulation einGesprächdominieren. Das gesprocheneWort ist tatsächlichsekundär. Sicher erinnernSie sichanGesprächeder letztenZeit, dienicht soverliefen, wie Sie sichdas erhoffthatten. Vielleicht fehlte da ja auchder sowichtige nonverbaleTeil inderKommunikation, was dann schnell zuMissverständnissen führt. Ich bin jedenfalls sehr froh, die Schüler wieder live im Klassenraum zu sehen und mit ihnengemeinsamdenSchulalltagzubestreiten.DiepersönlicheBeziehung, das SehenundGesehenwerden, wahrnehmen, oballe gut drauf sind, ob jemand heute ein Problemmit sich herumschleppt, welches ihn ablenkt, das ist aus meiner Sicht entscheidend für erfolgreichen Unterricht. Ich nehme also denMenschen inmeinemUmfeld in den Fokus und prüfe, ob er oder sie „OK“ ist. Davonberichtet auchdie Jahreslosung.Wirbefindenunsaufdenersten Seiten der Bibel. Sie erzählen vonMenschen, die sich lieben und streiten, vontödlicherEifersucht, kompliziertenFamilienverhältnissen, von Lug undTrug, vonScheiternundNeuanfängen.Mit diesenMenschen schreibt Gott Geschichte(n).MitMenschen, die glaubenund zweifeln. Hagar spricht diesen Satz „Du bist einGott, der mich sieht“ in einer Phase, in der es ihr nicht gut geht und sie aus ihremUmfeld flüchtet. Hagars semitischer Name bedeutet Flucht, Fremdling. Sie ist die Dienerin Sarais, der Frau Abrams, und trägt für sie ein Kind von Abram aus. Das führt zu großen Spannungen und sie flieht aus der Hausgemeinschaft in die Wüste. Diese spannende Geschichte ist nachzulesen im ersten BuchMose, Kap. 16. Während sie halb verdurstet in der Wüste umherirrt, betet sie zu Gott. Er schickt seinen Boten und führt sie an einen Brunnen namens Beer-Lahai-Roï. Er schenkt ihr Hoffnung und ändert die Perspektive. „Und sie nannte denNamen des HERRN, dermit ihr redete: Du bist einGott, der mich sieht.“ (Gen. 16, 13) Für Hagar scheint dies ein Trost zu sein, sie fühlt sich nicht mehr allein mit ihren Sorgen. Gott sieht mich. Was löst dieser Satz bei Ihnen aus? Eher dieses ungute Gefühl aus Kindertagen, wenn die eigenen Eltern diesen Satz als Erziehungsmethode eingesetzt haben, um Sie mit der Drohung „Der liebe Gott sieht alles“ auf Linie zu bringen? Oder ist es wie bei Hagar eher ein Gefühl der Geborgenheit und Hoffnung? Für die Gründer und Betreiber des Kinderheims „Lahai-Roi“ in Rumänien, welcheswir als Schulgemeinde imRahmenderUkrainehilfe imFrühjahr sehr kräftig unterstützt haben, bedeutet dieser Satz „Gott sieht mich!“ gewiss Halt, Schutz und Geborgenheit für die Heimkinder aus derUkraine und aus Rumänien. Deshalbhaben sie dieseEinrich-

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