Wenn zum x-ten Male zu rockigen Klängen ein „Aiiiiiii....booo... ai, ai, ai, ai, aiiiiiiiii.....boooooo“ über unseren Schulhof dröhnte und Herr Wallrauch schon langsam anfing, mit den Augen zu rollen und die Fenster seines Klassenzimmers zu schließen, dann war es wieder so weit - der blaue Truckanhänger bebte, weil irgendeine unserer Schülergruppen gerade von Byron aus Südafrika in einem Zulu-Tanz unterrichtet wurde. Während manche Klassen wie z.B. die 7a dabei voll „abgingen“, wollten andere, insbesondere ältere Schüler, nicht so recht „locker in der Hüfte“ werden. Die körperliche Auflockerung hatte aber Methode, denn sie sollte die Schüler für das öffnen, was danach kam: ein einstündiges, abwechslungsreiches Programm rund um das Thema Leben. Dabei standen die Aspekte Sinn und Leid im Mittelpunkt. Immer wieder wurden die Schülerinnen und Schüler ins Programm mit einbezogen. Antony aus Nairobi/Kenia berichtete z.B. aus seinem Leben - wie er bei seiner alleinerziehenden Mutter aufwuchs, die ihm „Mutter und Vater“ zugleich zu sein versuchte, wie er später im Jugendalter auf die schiefe Bahn geriet und sogar seine Schule anzündete, dann vor der Polizei in den Busch zu seiner Großmutter floh, wie er sich anschließend zu Jesus bekehrte und ein neues Leben anfing. Und da stand er nun strahlend vor uns und sprach über Jesus, den Sinn seines Lebens. Er und Byron bildeten die männlichen „Farbtupfer“ in einem ansonsten weiblich dominierten Team, das sich zu 90% aus Baden-Württembergerinnen rekrutierte. Die jungen Damen warben kräftig für das freie Missionswerk „Jugend für Christus“, wo es neben einer Theaterschule und Jugend-Alpha-Kursen auch internationale Programme gibt; ein Projekt davon ist eben der Life-liner, jener zum Begegnungszentrum umgebaute ehemalige USamerikanische Truck, der eine Woche lang, nämlich vom 3. bis 7. September 2012, an jedem Vormittag bei uns auf dem Pausenhof stand (www.jfcthebuzz.de). Immer wieder aufs Neue ein Gänsehautgefühl erzeugte bei mir der Bewegungstanz zum Text von Psalm 23. Dabei waren es weniger Tanzstil und Inhalt, die dieses Gefühl in mir hervorriefen - der Psalm ist mir seit Jahrzehnten wohl vertraut - als vielmehr jene im reinsten MarlonBrando-Stil daherkommende Sprecherstimme: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln...“ dröhnte es im heiser röchelnden Bass, untermalt von dramatischer Musik, aus dem Lautsprecher. Kritisch könnte man anmerken, dass die LeidThematik ein wenig schwer und in typisch amerikanischer „Schmalzigkeit“ daherkam. Es wurden kurze Passagen aus dem Film „Briefe an Gott“ präsentiert. In dem Film wird das Leiden des achtjährigen Tyler, der unheilbar an Krebs erkrankt ist und nun regelmäßig Briefe an Gott schreibt, geschildert. Mit seinen Briefen bringt der Junge einen alkoholkranken Postboten, dem er die Briefe in die Hand drückt, in Schwierigkeiten, weil dieser nicht weiß, was er mit den Briefen anfangen soll. Also öffnet er sie, liest und sammelt sie und kommt beim Lesen über sein eigenes Leben ins Nachdenken. Am Ende bekam jeder Besucher einen Briefumschlag, auf dem stand: An Gott. Die Jugendlichen wurden von Teamleiter Jürgen Vögele ermutigt, es jenem mittlerweile verstorbenen Tyler gleichzutun und ihre Sorgen, Nöte und Freuden einmal in einem Brief an Gott zu formulieren; und diesen Brief dann auch wirklich abzuschicken! Er wollte allen Mut machen, mit Gott über sein ganz normales Leben zu reden - und er war fest davon überzeugt, dass diese Briefe auch beim richtigen Adressaten ankommen würden. Joost Reinke, Gymnasiallehrer Der„Life-liner“ an der PGS: Evangelisation in einemUS-Truck Gymnasium 35
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