Im Rahmen meines Betriebspraktikums der Jahrgangsstufe 10 konnte ich auf Vorschlag meines PoWi-Lehrers Herrn Hampf im Büro des MdB Johannes Wiegelmanns mitarbeiten dürfen. In diesem Zusammenhang ergriff ich die Gelegenheit und führte untenstehendes Interview. Ich danke Johannes sehr herzlich für seine Bereitschaft dazu und die Zeit, die ich mit ihm und seinem Team verbringen durfte.
Interview mit Johannes Wiegelmann, Mitglied des Bundestages:
1. Was hat dich ursprünglich dazu bewogen, in die Politik zu gehen?
Ich bin in die Politik gekommen, weil ich schon seit Jugendtagen politisch interessiert war, vor allen Dingen das Thema Außenpolitik hatte es mir angetan. Das erste große internationale politische Ereignis, das ich verfolgt habe, war der Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 und die Folgen, wie der Afghanistan- und der Irak-Krieg. Diese Zeit werde ich nie vergessen.

2. Warum hast du dich für die CDU entschieden?
Ich bin in einem politisch interessierten Elternhaus aufgewachsen, bei uns wurde immer viel über Politik diskutiert. Als Teenager habe ich mich dann näher mit dem Programm der CDU auseinandergesetzt. Mit vielen Grundsätzen der CDU wie zum Beispiel den transatlantischen Beziehungen, der starken pro-europäische Haltung aber auch dem Bekenntnis zu den Grundsätzen der Sozialen Marktwirtschaft konnte ich mich identifizieren. Darum bin ich mit 16 Jahren Mitglied der Jungen Union (JU) geworden. Wenig später wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, die JU in meinem Stadtverband wieder zu beleben, und das habe ich getan. Zudem hatte ich das große Glück, dass ich mit 18 Jahren für das Stadtparlament kandidieren konnte. Dort habe ich das politische Handwerk erlernt und mich vor Ort engagiert, bundes- und außenpolitische Themen haben mich aber nie losgelassen.

3. Wie würdest du deine Arbeit im Bundestag beschreiben?
Absolut vielseitig. Es ist erst einmal eine große Ehre und Verpflichtung, hier wirken zu dürfen, an dieser Stätte, an der Geschichte geschrieben wurde und immer wieder neu geschrieben wird. Wo Entscheidungen getroffen werden für das ganze Land. Hier arbeitet man in einem kleinen Bereich mit und gestaltet und verändert dort wirklich auch etwas. In meinem Fall sind das vor allem rechtspolitische und verteidigungspolitische Themen, die ich hier täglich betreue. Gleichzeitig kann man helfen Anliegen der Bürgerinnen und Bürger aus dem Wahlkreis oder von Unternehmen und Vereinen aus der Heimat zu unterstützen. Menschen zusammenzubringen, damit am Ende etwas Größeres, Besseres entsteht. Es ist eine vielseitige Arbeit, man trifft spannende Persönlichkeiten. Natürlich ist die Arbeit als Abgeordneter auch fordernd, aber ich möchte es nicht missen.

4. Von den vielseitigen Aufgaben, die du hast, was ist deiner Meinung nach deine wichtigste Aufgabe als Abgeordneter im Bundestag?
Ich formuliere das mal etwas allgemeiner: Als Volksvertreter muss man offen und ansprechbar sein und dazu bereit, seine eigenen Positionen auch kritisch zu hinterfragen. Es geht darum, sich auf einer möglichst breiten Informationsbasis eine Meinung zu bilden und nicht vorfestgelegt in Entscheidungen und Debatten zu gehen. Dazu gehört auch ein guter Schuss Kompromissfähigkeit.

5. Was bedeutet für dich politische Verantwortung, nicht nur im Amt, sondern auch im Alltag?
Da schließe ich mal an meine vorherige Antwort an: Es geht darum, Anliegen, die an einen herangetragen werden, ernst zu nehmen. Den Bürgerinnen und Bürgern auf Augenhöhe zu begegnen und ihnen eine ehrliche Einschätzung zu geben. Ich will keine falschen Erwartungen wecken und befeuern, sondern Sachverhalte so analysieren, dass sich die Menschen am Ende nicht enttäuscht von unserem demokratischen System abwenden, sondern dass ich durch meine Rolle das Vertrauen in unsere Institutionen stärke. Es ist ja durch die Meinungsforschung belegt, dass das Vertrauen in die Politik in den vergangenen Jahren immer stärker zurückgegangen ist. Ich sehe es als meine Aufgabe als Abgeordneter, dieser Entwicklung mit einem realistischem Ansatz entgegenzutreten. Ich kann nicht jedes Problem lösen. Aber jeder, der sich an mich wendet, soll wissen, woran er ist und dass ich mich nach Kräften bemühe, ihm im Rahmen meiner Möglichkeiten weiterzuhelfen.

6. Was würdest du Schülerinnen und Schülern raten, die sich an der Politik beteiligen wollen?
Sich zu engagieren, und zwar am besten in Kinder- und Jugendbeiräten, in der SV und dann gerne auch in einer Partei. Mir war immer wichtig und das ist gleichzeitig auch die Herausforderung, sich nicht nur für ein Thema einzusetzen, sondern auch mal über den Tellerrand hinauszuschauen. Andernfalls bekommt man schnell einen Tunnelblick und stellt das eine Thema über alles andere. Man ist aber nicht allein auf der Welt, sondern muss in seinem Leben immer kompromissbereit sein. In einem Parlament, einer SV oder einer Partei kommen Menschen mit unterschiedlichen Interessen zusammen, die aber an eine gemeinsame Idee glauben. Kompromissbereitschaft lernt man da eher, als wenn man sich zum Beispiel in einer Nichtregierungsorganisation (NGO, Non Govermantal Organisation) organisiert. In einer NGO ist man in einem Thema zu hundert Prozent involviert, aber viele haben leider oft nicht das große Ganze im Blick.

7. Wo siehst du deine Zukunft in der Politik?
Ich habe bereits 2021 für den Deutschen Bundestag kandidiert und wurde damals nicht gewählt. Das war keine schöne Erfahrung, aber daraus habe ich im Rückblick viel gelernt, vor allen Dingen, dass man in der Politik nichts planen kann. Darum habe ich kein bestimmtes Amt im Sinn, wenn ich an meine politische Zukunft denke. Ich wünsche mir, dass die Wählerinnen und Wähler mir auf Grund meiner Arbeit als Abgeordneter auch in Zukunft ihr Vertrauen schenken. Und wie sagt man so schön: Man wächst mit seinen Aufgaben und insofern hoffe ich, dass ich in den kommenden Jahren Stück für Stück noch mehr Verantwortung übernehmen darf.

Zehra Dietrich, 10a